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Waldis Safes
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Entdeckungsreise

Das Vollweib

Nicholas Foulkes - Kolumne

Text — Nicholas Foulkes Fotos — Maurice Haas, Illustration by Berto Martinez/Unit.NL Datum — 15. Oktober 2011

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Niemand kann der modernen Darstellerin des Vollweibes nachsagen, sie sei faul. Sie mag nicht die beste Schauspielerin sein, die je vor der Kamera stand, aber sie ist sicherlich die emsigste Frau ihrer Generation in der Filmindustrie. Sie hat in einigen langweiligen, aber künstlerisch wertvollen Filmen und in etlichen Bühnenproduktionen mit Shakespeare- und Tschechow-Stücken mitgespielt. Wahrscheinlich haben Sie sie aber in der Rolle einer wahnsinnigen Kampfmaschine im kultigen Science-Fiction-Film gesehen, der in drei Folgen herauskam: „Elimination“, „Elimination II – Die Rückkehr der Nihilisten“, „Elimination III – der Weltuntergang der Nihilisten“. Dieser computergesteuerte Schrott hat natürlich nie den Oscar bekommen, aber er wurde in einem schwachen Jahr der Academy für die beste Maske nominiert.

Vor allem aber brachte er sämtlichen Beteiligten, auch der Darstellerin des Vollweibes, jede Menge Geld ein. Die Einnahmen an den Kinokassen waren zwar „nur“ respektabel, aber die DVD mit dem zweiten Film der Serie erzielte den Rekordumsatz des Jahres, und das aus dem Film entwickelte Video-Game hat dem Vollweib und ihren Kindern lebenslängliche finanzielle Sicherheit verschafft. Als sie einmal selber nach der Bedeutung gefragt wurde, welche dieser Film für sie habe, zitierte das Vollweib Don MacLeans Antwort auf die gleiche Frage in Bezug auf seinen Song „American Pie“: „Er bedeutet, dass ich nie wieder arbeiten muss.“

Diese Bemerkung verfolgt sie seither, auch wenn sie gar nicht zutrifft. Sie mag finanziell abgesichert sein, bleibt aber extrem ehrgeizig. Und wenn man ihre Website anschaut, merkt man, dass Filme nur einen Teil ihrer Tätigkeit ausmachen. Dort beschreibt sie sich selbst als Mutter, Ehefrau und Gärtnerin – ihre Rollen in Filmen mit Special effects werden nicht einmal erwähnt. Die Online-Welt der Vollweib-Darstellerin ist eine ganz andere als der öde Planet der „Elimination“-Filme. Sie ist ein heller und fröhlicher Ort mit erleuchteten und heiteren Botschaften der Selbstbestätigung, verknüpft mit einer Spur praktischen Wissens über Themen wie das Stillen, den Umgang mit motorisch gestörten Kindern, die Aufrechterhaltung eines gesunden Work-Life-Gleichgewichts, Vorstellungen, wie man seine Ehe rettet, Hinweise, wie man sich scheiden lässt, Anregungen, wie man verschüttetes Mehl wiederverwendet, und viele handgestrickte Weisheiten. Das Vollweib publiziert einen wöchentlichen Newsletter voller heller und fröhlicher Rezeptideen und Öko-Tipps, mit modischen Ratschlägen und Schönheits-Tipps. Den meisten Raum auf der Website nimmt allerdings das Gärtnern ein. Das Vollweib hat die Garten-Metaphern aus „Being There“ zur umfassenden Lebensphilosophie ausgeweitet. Regelmässig hält sie ihre 1,7 Millionen Gefolgsleute auf Twitter dazu an, ihr Leben an den „vier Jahreszeiten von Mutter Erde“ zu orientieren, wie sie sich in der wechselnden Flora ihres Gartens zeigen. Ihr Garten ist eigentlich eher ein kleines Landgut in Topanga Canyon, wo sie mit ihrem Mann, einem Meeresbiologen, und den beiden Kindern Sky und Moon lebt.

Mittlerweile ist sie als Online-Marke mindestens so berühmt wie für ihr cineastisches Werk. Die Menschen lieben sie wegen ihrer Zugänglichkeit. Obwohl sie schon weit in den Dreissigern ist, hat sie noch nie Botox®* gespritzt – und das sieht man. Sie trägt selten Make-up, sie ist so etwas wie ein Blue Jeans und Boyfriend-Watch tragendes Pin-up-Girl für den Wochenmarkt der Biobauern.

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—Nicholas Foulkes

Nicholas Foulkes ist Autor, Historiker und Journalist. Sein neuestes Buch „Gentlemen and Blackguards – Gambling Mania and the Plot to Steal the Derby of 1844“ ist bei Orion erschienen.

Seit sie festgestellt hat, dass David De Rothschild eine Ingenieur Mission Earth trägt, trägt sie die ihre wo immer sie hingeht

Stellen Sie sich die Vollweib-Darstellerin als Oprah Winfrey / Martha Stewart des 21. Jahrhunderts vor, mit einer Spur abgenutztem Hollywood-Glamour und der IWC ihres Ehemannes am Handgelenk. Sie hatte ihm diese Ingenieur Mission Earth geschenkt, als er seine Professur in Meereswissenschaften an der Stanford-Hopkins-Meeresforschungsstelle bekam. Bisher hat er sie freilich noch nie getragen, denn sie hat sie noch keine Sekunde von ihrem eigenen Arm abgenommen.

Um die Wahrheit zu sagen: Sie schwärmt ein bisschen für den Öko-Schönling David de Rothschild (der wiederum die Pionierarbeit ihres Mannes bewundert). Und seit sie festgestellt hat, dass David de Rothschild eine Ingenieur Mission Earth trägt, trägt sie die ihre, wo immer sie hingeht. Aber sie hat ihrem Mann versprochen, dass sie ihm zum Geburtstag eine eigene schenken wird.

*IWC Schaffhausen ist nicht Eigentümerin dieser Trademark.

Ingenieur Automatic Mission Earth

—Referenz 3236

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