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Datum — 22. Dezember 2011
Wo wäre die IWC heute ohne das Wirken dieses Mannes? Ohne Günter Blümlein wäre sie sicher nicht so erfolgreich, wie sie in den letzten Jahrzehnten agiert. Denn der Uhren-Visionär mit seiner subtilen Scharfsinnigkeit kannte das Metier wie kaum ein zweiter. Stärken analysierte er mit seinem klaren Verstand ebenso wie dringend auszumerzende Schwächen. Günter Blümlein hatte nämlich nicht nur die Sonnenseiten dieses Metiers kennengelernt, sondern auch den Schatten. Er lebte und arbeitete rational für die Sache, achtete aber stets auch jene, ohne die seine persönlichen Leistungen undenkbar gewesen wären. Er hörte Menschen zu, machte sich sein Bild und leitete das Gegenüber behutsam auf den richtigen, natürlich seinen eigenen Weg. Wenns sein musste, konnte Günter Blümlein jedoch auch knallhart dirigieren. Günter Blümlein war Mensch, kein Übermensch. Mit ihm konnte man bei einer duftenden Cohiba, erstklassigem Bordeaux und Keith Jarretts phänomenalem Köln-Konzert trefflich über den Lauf der Welt unter verschiedensten Gesichtspunkten philosophieren. Als feinsinniger Schöngeist agierte er ebenso virtuos wie als kühler, klar berechnender Wirtschaftsboss.
Es stand nicht gut um die IWC und um Jaeger-LeCoultre, als die damaligen Besitzer 1980 Günter Blümlein vorerst als Berater, ab 1982 dann als Direktor, an Bord holten. Mit innovativ gestalteten und im Sinne langer IWC-Tradition hochwertig verarbeiteten Armbanduhren fasste die Schaffhauser Manufaktur unter Günter Blümlein rasch wieder Fuss. Der neue Direktor sah die Renaissance der Mechanik und die künftige Bedeutung uhrmacherischer Komplikationen früh voraus. Die Entscheidung, 1985 mit der Da Vinci die weltweit erste Armbanduhr mit Selbstaufzug und ewigem Kalendarium preisgünstig auf dem Markt zu bringen, erwies sich für die IWC als Glücksfall. Die Wiedergeburt der Fliegeruhren tat ein Übriges. Dank brillanter Substanz und durchdachter Strategie war die IWC schneller gerettet als erwartet. Neben seinem Engagement in Schaffhausen übernahm Günter Blümlein 1986 auch die operative Führung von Jaeger-LeCoultre und sanierte auch diese Marke. Aller guten Dinge sind bekanntlich drei.
WENN UNTERNEHMEN GANZ UNTEN SIND, KANN ES NUR NOCH BERGAUF GEHEN – ODER GANZ IN DEN GRABEN
— "Jubiläums"-Portugieser
Der dritte Coup gelang Günter Blümlein nach dem Fall der deutschen Mauer mit der Wiederbelebung der Marke A. Lange & Söhne. Seine Vorstellungen von einer schlagkräftigen Uhrengruppe realisierte Blümlein ab 1996 in der Holding LMH (Les Manufactures Horlogères). Wie erfolgreich die Gruppe war, zeigte sich, als Richemont das Trio 1999 erwarb. Nach diesem Milliarden-Deal wurde Günter Blümlein ab 2001 die Koordination des Top-Uhrenbereichs von Richemont mit IWC, Jaeger-LeCoultre, Lange Baume & Mercier, Officine Panerai, Piaget und Vacheron Constantin übertragen.
Diese grosse berufliche Anerkennung kam für ihn leider zu spät. Eine heimtückische Krankheit bemächtigte sich zunehmend seines durchtrainierten Körpers. Doch selbst die Fesselung ans Krankenlager hielt Günter Blümlein nicht davon ab, seinen beruflichen Pflichten bestmöglich nachzukommen. Arbeit bedeutete für ihn Hoffnung, dass sich am Ende doch noch alles zum Guten wenden möge. Doch die Hoffnung trog. Günter Blümlein starb am frühen Morgen des 1. Oktober 2001 im Alter von erst 58 Jahren. Und damit verlor die Luxusuhrenindustrie eine ihrer bedeutendsten und angesehensten Persönlichkeiten. Allen, die ihn kannten, bleibt er als unermüdlich Schaffender mit unglaublich starker Persönlichkeit in Erinnerung. Auch zehn Jahre nach seinem Ableben können wir alle noch viel von Günter Blümlein lernen.
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Kommentar
Jahre vor * Herr Blümlein * waren mehr als nur * Macher * am Werk. Ich erwähne meine damaligen Mitdenker: Homberger, Grieshaber, Pellaton, Heller und frage: würde es ohne die erwähnten Denker und Macher heute noch eine IWC geben ?
Mit besten Grüssen
Robert Zwyssig langjähriger Betriebsdirektor und Verwaltungsrat der IWC Schaffhausen..
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