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Entdeckungsreise

Die grosse Liebe

Hansjörg Kittlas über seine grosse Liebe – die Minutenrepetition

Text — Medard Meier Fotos — David Willen Datum — 24. August 2011

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—Hansjörg Kittlas - Abteilungsleiter für Spezialuhren bei IWC, pflegt mit Bedacht die Minutenrepetition „Meine grosse Liebe“

Es ist ein offenes Geheimnis, dass nach dem deutschen Mauerfall die IWC Schaffhausen mitgeholfen hat, in Sachsen die Leidenschaft der Uhrmacherei neu zu entfachen. Der Erfolg von A. Lange & Söhne ist der lebendige Beweis dafür. Und ebenso Spitzen-Uhrmacher wie Hansjörg Kittlas, 36, heute in Schaffhausen zuständig für die feine und hochkomplexe Portugieser Minutenrepetition und andere Spezialitäten der Manufaktur.

Das kam so: Nach der Schule in Glashütte, dem traditionsreichen Zentrum der deutschen Uhrmacherei, fühlte er sich zur mechanischen Zeit hingezogen, absolvierte eine Lehre mit Bravour und ist am Tag der Abschlussprüfung entdeckt worden – von Hartmut Knothe, damals CEO von A. Lange & Söhne.

„Ich sollte bei ihm anfangen und zuerst gleich für ein Jahr nach Schaffhausen gehen“, erinnert sich Kittlas. „Das war für mich eine Schuhnummer zu gross. Die teuren Uhren waren noch nicht mein Ding.“ So zog er vorerst einmal nach Dresden, wo er in einem Uhrenladen mit angeschlossener Werkstatt Arbeit fand. Doch Knothe liess nicht locker. Übers Jahr sagte Kittlas dann zu. „Ich hatte diese Reifephase gebraucht.“

Der junge Mann wurde dann gleich zur Weiterausbildung ins 600 Kilometer entfernte Schaffhausen geschickt. Und hier blieb er dann hängen. Anfänglich mit einem etwas schlechten Gewissen, wie er sich erinnert. Doch die wirtschaftliche Unsicherheit in seiner Heimat und natürlich der Zuzug seiner heutigen Frau, ebenfalls Uhrmacherin aus Glashütte, haben es ihm dann einfach gemacht, neue Wurzeln zu schlagen.

—Das hochkomplexe Minutenrepetitions-Schlagwerk der Grande Complication und der Portugieser Minutenrepetition lässt die aktuelle Zeit mit klaren Klängen ertönen

Inzwischen hat Kittlas längst eine Familie mit zwei Kindern und wohnt zufrieden über dem Rheinfall. In der Manufaktur vor drei Jahren zum Abteilungsleiter für Spezialuhren aufgerückt, pflegt er mit Bedacht die Minutenrepetition: „Meine grosse Liebe.“ Aus über 350 Kleinstteilen setzt er das Werk zusammen – die feinsten Achsen knappe 0,40 Millimeter dick, 0,75 Millimeter hoch und mit einer Vertiefung von exakt 0,28 Millimetern versehen. Bis alle Einstellungen stimmen, die Komplikationen eingebaut sind, die Dutzenden von Zahnrädchen auf verschiedensten Ebenen ineinandergreifen und endlich die zwei Minihämmerchen regelmässig den schönen tiefen Ton für die Stunde und den fein klingenden höheren für die Minute erzeugen, sind drei Wochen Arbeit verflossen.

Dann, wenn alles funktioniert, wird das Kaliber gleich nochmals in seine Bestandteile zerlegt, Teile werden nachgeschliffen, gereinigt und in einem Tag frisch zusammengebaut, geölt und getestet. Eine Prozedur, die der Uhrmacher so kommentiert: „Nach der Reinigung ist vor der Reinigung.“ Übersetzt für die späteren glücklichen Besitzer einer Minutenrepetition heisst das, sie sollten einen Wartungsintervall von fünf Jahren beachten.

Kittlas ist die Ruhe selbst, wie es Uhrmachern grundsätzlich eigen ist. Kaum zu glauben, dass er in der Freizeit Schlagzeug spielt und im nahen Hügelzug der Randen mit dem Motorrad herumkurvt. Oder vielleicht ist diese Kombination gerade das, was die Work-Life-Balance eines erfolgreichen Uhrentüftlers ausmacht.

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