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Fotos — David Willen Datum — 14. Juni 2012
„Am liebsten bin ich zu Hause, weil ich da am besten abschalten kann“, sagt Mario Gómez, der begnadete 26-jährige Stürmer des FC Bayern München. Der Mann ist eine Ausnahmeerscheinung und doch so ganz normal. Und wo ist er am allerliebsten? „Natürlich in all den fantastischen Arenen dieser Welt, wie bei uns in der Allianz-Arena oder, wie unlängst, im Estadio Santiago Bernabéu in Madrid“, sagt der Star.
Die Ablösesumme, die ihn vor zwei Jahren vom VfB Stuttgart zu den Münchnern gebracht hat, wird auf die Rekordsumme von 35 Millionen Euro geschätzt. Es hat sich gelohnt: Mario Gómez schiesst für Bayern München pro Spiel annähernd ein Tor.
Sitzt man Mario Gómez gegenüber, ist es ein zurückhaltender 26-jähriger Junge. Aber gleichzeitig auch ein Kerl mit Gardemassen und Modelqualitäten, die er soeben in einem Shooting routiniert unter Beweis gestellt hat. Alles Forsche und Laute ist ihm fremd. Der umjubelte, kaltblütige Vollstrecker auf dem Platz, der auch schon die Kapitänsbinde der deutschen Nationalelf getragen hat, ist die Ruhe selbst.
Den hohen Erwartungen, die rundum an ihn gerichtet werden, stellt er sich gerne. „Dem Druck auszuweichen, muss man gar nicht erst versuchen.“ Er möchte jedoch stets der gleiche Mensch sein, ob es sportlich gut oder weniger gut läuft, ob in der Öffentlichkeit oder privat. In seinem Selbstverständnis ist er Teil einer gewaltigen Show, bei der jeder lautstark mitreden und urteilen darf.
Gómez ist wahrlich gut geerdet, und er ist sich immer bewusst, woher er kommt: „Heimat ist für mich immer noch da, wo ich aufgewachsen bin – in Unlingen.“ Ein kleines Dorf in Baden-Württemberg. Er stammt aus einer halben Secondo-Familie. Vater Pepe – ein Malermeister – ist als 14-Jähriger mit Mutter und Geschwistern aus Andalusien dem Vater nach Deutschland nachgereist; Mutter Christa ist Deutsche. Mario ist stolz auf seine Eltern. Sein Vater hat ihm gezeigt, dass man einmal gesetzte Ziele erreichen kann, wenn man sie nur konsequent verfolgt. Er war auch der erste Trainer von Mario, der neben dem Fachabitur bloss eines im Kopf hatte: Fussball. Bis heute begleitet der Vater ihn in seiner Karriere: „Er ist definitiv mein ehrlichster und bester Kritiker.“
Abheben gibt es in der Familie Gómez nicht. Doch manchmal gönnt sich Mario ein bisschen Luxus. Es ist kaum verwunderlich, dass ihn schreierische Statussymbole kalt lassen. Von schönen, klassischen Uhren wie einer IWC mit ihrem Understatement lässt er sich jedoch gerne verführen: „Uhren sind ja das einzige Schmuckstück, das ich trage.“ Deutschlands erster Fussballer schafft es auf natürliche Weise, auch Vorbild zu sein, und er ist sich der damit verbundenen Verantwortung bewusst, wenn er an seine eigene Jugend zurückdenkt. Sein Idol war Romário; der Brasilianer war 1994 Weltfussballer des Jahres.
Und selbst heute an der Weltspitze ist er nicht so ich-bezogen, dass er nicht sehen würde, dass es – zumindest im Moment – noch andere vor ihm gibt. Auf dem Platz strebt er danach, noch besser zu werden. In seiner Freizeit zieht er sich ganz in sein Privatleben zurück. „Das ist für mich die kostbarste Zeit und die bevorzugte Umgebung.“ Das könnte sich ändern. An der kommenden Fussballeuropameisterschaft hat er die grosse Chance, seine Bühne nochmals zu vergrössern: „Ich erwarte ein spannendes Turnier und ein deutsches Team, das versuchen wird anzugreifen, um den Titel zu holen.“
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