Ab 1955 sorgte eine tickender „Ingenieur“ aus Schaffhausen für Furore. Die eigentliche Geschichte dieser Uhr beginnt dagegen bereits im Jahre 1888. Artikel lesen
Die „Spitfire Perpetual Calendar Digital Date-Month“ ist der sportlich-elegante Überflieger innerhalb der IWC-Fliegeruhrenkollektion. Die Ablesbarkeit von Tag und Monat könnte nicht besser sein und die Mechanik dieser Uhr nicht faszinierender. Artikel lesen
Der Werkstoff Keramik findet überall da Anwendungen wo hohe Anforderungen gestellt werden und Spitzenleistungen gefragt sind Artikel lesen
Die stetig wachsende Nachfrage nach Luxusuhren führt zu einem vermehrten Bedarf an qualifizierten Fachkräften für die Uhrenherstellung und -wartung. Artikel lesen
Unter den zahlreichen und legendären Handaufzugwerken der IWC stellt das Cal. 87 eine Besonderheit dar Artikel lesen
Heute gehört die ESO zu den führenden europäischen astronomischen Forschungseinrichtungen und betreibt die wissenschaftlich produktivste Sternwarte weltweit Artikel lesen
Unter Uhrenkennern gibt es keinen „Glaubenskrieg“ mehr über die Frage, ob man seine Uhr selbst aufziehen oder diesen Part der Schwerkraft überlassen soll. Aber einen Unterschied macht es doch. Davon sind „Handaufzieher“ überzeugt Artikel lesen
Die Da Vinci Chronograph Ceramic besticht mit einer exklusiven Kombination aus Keramik und poliertem Titan Artikel lesen
Fotos — Paul Ripke und Martin Timmermann Datum — 1. Januar 2010
Jedes Schiff, das über die Meere fährt, sollte auch ohne Satellit seinen Weg finden; Magnetkompass und Sextant sind Pflicht an Bord
Ein Sextant ist ein optisches Messgerät, mit dem sich der Winkelabstand eines Gestirns, vorzugsweise der Sonne, vom Horizont und daraus wiederum die Position eines Schiffes bestimmen lässt.
Bei Cassens & Plath gibt es die Geräte in unterschiedlicher Ausführung. Sie heissen Polaris oder Horizon, sind wahlweise aufgerüstet mit Polarisationsschattengläsern, Freisichtspiegeln oder künstlichem Horizont, und doch haben sich Aufbau, Prinzip und Funktionsweise des Sextanten seit seiner Erfindung im 18. Jahrhundert nicht verändert. Mit Vorläufern des Geräts – mit Astrolabium, Quadrant oder Jakobsstab – hatten die Seefahrer schon seit dem 15. Jahrhundert den Sonnenstand gemessen, doch erst der Einsatz von Spiegeln ermöglichte mittels einer zweifachen Reflexion, den genauen Winkel des Gestirns zum Horizont zu bestimmen. Isaac Newton hatte, wie sich später herausstellte, die Idee als Erster. Seine Skizzen dazu blieben jedoch unbeachtet und wurden erst nach seinem Tod 1742 veröffentlicht.
Um 1730 entwickelten unabhängig voneinander John Hadley, ein englischer Astronom, und Thomas Godfrey, Optiker in den britischen Kolonien in Amerika, entsprechende Entwürfe zu einem Oktant mit kleinerer Winkelskala, aus dem später der Sextant hervorging.
Dass es den Sextanten heute, in einer Zeit, in der bald jeder Jogger ein GPS-Gerät am Handgelenk trägt, immer noch gibt, ist nicht nur Cassens & Plath, sondern vor allem den internationalen Schifffahrtsbestimmungen zu verdanken. Sie sehen vor, dass jedes Schiff, das über die Meere fährt, auch ohne Satellit seinen Weg finden sollte; Magnetkompass und Sextant sind Pflicht an Bord. Für leidenschaftliche Jachtsegler dürfte die Anschaffung eines Sextanten aus dem Hause Cassens & Plath für rund EUR 1500.– nach wie vor ein Herzenswunsch sein. Früher war Cassens & Plath deswegen auf allen wichtigen Jachtmessen vertreten. Heute läuft der Vertrieb vorwiegend über das Internet. Dass die Geräte im Privatgebrauch rege im Einsatz sind, kann der Hersteller leicht überprüfen. Immer wieder bekommt man dort von Wind und Salzwasser gezeichnete Sextanten zur Reparatur.
Eine genaue Messung mit einem Sextanten vorzunehmen, ist vorwiegend Übungssache; die unabdingbare Voraussetzung dafür aber ist die absolute Präzision des Gerätes. Und die lässt sich nur mit feinmechanischer Handarbeit erreichen. Im Hause Cassens & Plath ist den ganzen Tag ein metallisches Surren, Kreischen und Klopfen aus der Werkshalle zu hören, die aus sicherheitstechnischen Gründen abgeschirmt wird wie ein heiliger Ort. Selbst die Prüfer des Germanischen Lloyd und anderer Zertifizierungsgesellschaften bekommen nur die fertigen Geräte zu sehen. Der Körper eines Sextanten von Cassens & Plath ist ein Rohgussteil aus Messing. Seine durchbrochene Struktur ist das Markenzeichen der Firma. Spezialisten erkennen daran das Qualitätsprodukt aus Bremerhaven. Doch nicht nur die Optik ist entscheidend, auch das Material. Aluminium wäre günstiger, aber weniger haltbar, weil es beschichtet werden muss und dadurch verschleissanfälliger ist. Das entspricht jedoch nicht dem Anspruch, den das Traditionsunternehmen an sich stellt.
Der Rohguss braucht zunächst seine Ruhe. Nachdem er entgratet, poliert, ausgedreht und mehrfach auf 250 Grad erhitzt wurde, wird er eineinhalb Jahre der Witterung ausgesetzt. Erst danach sind die Spannungen im Metall verschwunden. Dann erst kann man sicher sein, dass sie später nicht die Messungen verzerren. Die Exaktheit der Messung wiederum ist abhängig von der Fräsung der Zähne des Gradbogens oder des Limbus, eines Sechstelkreises, auf dem 120 Grad markiert sind. Wenn der Schwenkarm, die Alhidade, über den Limbus gleitet, um die Gradzahl zu bestimmen, erlaubt das deutsche Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie einen Toleranzbereich von +/- 20 Bogensekunden. Bei der praktischen Navigation auf See bedeuten 20 Bogensekunden bereits eine Abweichung von 600 Metern.
Deswegen steht die Maschine, die die Verzahnung fräst, bei Cassens & Plath erschütterungsfrei auf Schwingmetallfüssen in einem temperierten Raum. Und dennoch kann ein heisser Sommertag ihre Arbeit im Tausendstel-Millimeter-Bereich entscheidend beeinträchtigen. Jedes Zähnchen wird ergo per Hand nachbearbeitet, bis die Ungenauigkeit nicht mehr bei erlaubten 20, sondern bei 7 oder weniger Bogensekunden liegt. Ein schlichter kleiner Hobel mit Holzgriff ist das Werkzeug, das der Sextantenbauer beherrschen muss. Ebenso wie er den richtigen Zug der Schrauben bei der Montage der einzelnen Teile erspüren sollte. Sind diese zu fest geschraubt, entstehen Spannungen, die ebenfalls die Messung verändern.
Zwei Sextanten am Tag werden im Schnitt montiert; liegt das beeindruckende Gerät mit der grossen Vergangenheit schliesslich wohlgebettet mit Zertifikat in einer Kiste aus Mahagonifurnier, kann der künftige Besitzer sicher sein, das alles daran zur grösstmöglichen Perfektion gebracht ist. Cassens & Plath rühmt sich, sämtliche Zertifizierungen weltweit für seine Geräte innezuhaben; der Status quo wird regelmässig von den internationalen Zulassungsstellen geprüft. Würde nur ein kleines Detail am Sextanten oder seiner Herstellung modifiziert, müssten die Siegel neu beantragt werden. Doch das allein ist es nicht, was das Traditionsunternehmen Cassens & Plath dazu veranlasst, das Produkt seit Jahrzehnten nicht zu verändern. Die langfristig gewonnene Erfahrung ist das Pfund, mit dem ein Sextantenbauer wuchern kann. Schnell mal nachbauen oder kopieren lässt sich das Gerät aus einem anderen Jahrhundert nicht.
Die Kapitäne von heute profitieren dennoch von ein paar Neuerungen: Polarisationsfilter oder Schattengläser etwa regulieren die Helligkeit und schonen das Auge. Früher gab es diesen Schutz nicht; viele Kapitäne wurden auf einem Auge blind.
Für leidenschaftliche Jachtsegler dürfte die Anschaffung eines Sextanten aus dem Hause Cassens & Plath nach wie vor ein Herzenswunsch sein
Ab 1955 sorgte eine tickender „Ingenieur“ aus Schaffhausen für Furore. Die eigentliche Geschichte dieser Uhr beginnt dagegen bereits im Jahre 1888. Artikel lesen
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