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Mondkrüge in neuem Licht: Laurin Schaub für Homo Faber.
Lernen Sie den Künstler kennen, der für die Homo Faber Biennale 2026 im Dunkeln leuchtende Mondkrüge mit Ceralume® von IWC Schaffhausen gestaltet.
Laurin Schaub arbeitet im Rhythmus vorbeifahrender Züge. Ihr gleichmäßiges, wiederkehrendes Geräusch gibt seinem kreativen Schaffen einen ganz eigenen Takt: ruhig, beständig und zutiefst vertraut. Es ist daher kein Zufall, dass er für seine Töpferwerkstatt einen alten Bahnhof gewählt hat, an dem alle 15 Minuten, pünktlich wie ein Uhrwerk, ein Zug vorbeifährt. Er selbst bleibt jedoch an Ort und Stelle. Er ist die Konstante und arbeitet im Rhythmus der Züge und der Menschen, die kommen und gehen.
Dieses Gefühl der Beständigkeit schätzt der renommierte Schweizer Keramikkünstler bereits seit seiner Lehrzeit, als er Tag für Tag Gefäße auf der Töpferscheibe drehte. Für ihn war das Töpfern jedoch immer mehr als bloße Wiederholung. Es gab ihm Raum zum Nachdenken, zum Innehalten und dazu, seinen eigenen Rhythmus zu finden. Ein Ansatz, der ihm 2018 den Swiss Design Award und 2022 den Prix FEMS (Fondation Edouard et Maurice Sandoz) einbrachte.
Heute ist Schaub im Homo Faber Guide vertreten, einer Online-Plattform, die herausragendes europäisches Kunsthandwerk und die Menschen dahinter präsentiert. Seine Arbeiten wurden unter anderem im Museum für Gestaltung Zürich und im Musée Ariana in Genf gezeigt. Mehrere seiner Werke wurden zudem in die Sammlung des französischen Staates aufgenommen.
Schaubs jüngste Arbeiten sind zwei leuchtende Mondkrüge mit einer eigens entwickelten Glasur, die von der patentierten Ceralume®-Leuchtkeramiktechnologie von IWC Schaffhausen inspiriert ist. Sie werden derzeit bei der vierten Ausgabe der Homo Faber Biennale auf dem historischen Gelände der Fondazione Giorgio Cini ausgestellt.
Im Gespräch mit dem IWC Journal spricht Laurin über den kreativen Prozess hinter seiner Arbeit und verrät, wie Licht, der Horizont und die besondere Lage seiner Werkstatt sein Schaffen bis heute prägen.
Licht, Farbe und der Rhythmus der Züge.
Was hat Sie an diesen besonderen Ort geführt, und welchen Einfluss hat die Umgebung hier auf Ihre Arbeit und Ihren Alltag?
Ich bin nach Büren zum Hof gekommen, weil ich auf dem Land leben wollte. […] Ich mag diesen alten Bahnhof wirklich sehr, weil von fast allen Seiten Licht hereinfällt. Es ist ein sehr heller Raum. Und er hat diesen besonderen, fast romantischen Bahnhofscharakter, der mir sehr gefällt.
Und der Lärm der Züge? Stört er Sie nicht?
Ich nehme sie gar nicht mehr wahr. Manchmal gefällt mir sogar, was die Züge mit dem Raum machen. Sie sind orange, und wenn sie vorbeifahren oder auf Gleis 1 halten, färbt sich das ganze Atelier, weil die weißen Wände ihre Farbe reflektieren. Ich mag diese besonderen visuellen Effekte. Und sie geben meinem Alltag einen gewissen Rhythmus.
Das Wabi-Sabi der Keramik.
Was gefällt Ihnen an der Arbeit an diesem Ort am meisten?
Hier schaue ich besonders gern aus dem Fenster. Die Landschaft ist flach, der Blick reicht bis zum Horizont. Sie hat etwas Beruhigendes. Es gibt hier nicht viel, was stört. Alles ist sehr grün. Für mich ist es eine Umgebung, die mir beim Arbeiten guttut.
Was inspiriert Sie?
Architektur ist eine wichtige Inspirationsquelle für mich. Meine Arbeit nimmt immer wieder Bezug auf Architektur und Design, was einen spannenden Kontrast zur Keramik schafft. Mich reizen Dinge, die nicht natürlich oder intuitiv wirken. Keramik hingegen hat immer etwas Intuitives, etwas Wabi-Sabi: die Unregelmäßigkeiten, die Spuren des Handgemachten. Gerade deshalb zieht mich oft das Gegenteil an, und ich setze der Keramik gerne klare, gerade Linien entgegen. […]
Immer häufiger besuche ich Museen und beschäftige mich mit historischen Werken. Dadurch entsteht für mich eine Verbindung zur Tradition und zur Geschichte der Menschheit. Diese Auseinandersetzung ist für mich eine wichtige Inspirationsquelle.
Alle Bilder von Alessandra Chemollo©Michelangelo Foundation
Im Dialog mit der Vergangenheit.
Wie halten Sie Ihren kreativen Prozess in Gang? Gibt es bestimmte Rituale oder Gewohnheiten, die Ihnen dabei helfen?
Meine Arbeit ist immer ein kreativer Prozess. Und kreative Prozesse brauchen Raum und Zeit: um Fehler zu machen, neu anzufangen und Dinge auszuprobieren. […] Ich brauche Freiraum zum Arbeiten. Wenn ich den habe, sind die Bedingungen ideal. Aber der Alltag ist meistens unvollkommen. […] Bei der Arbeit mit Keramik muss man sich auf das Material einlassen. Jeder Schritt braucht Zeit. Ich kann dem Material nicht vorschreiben, was es tun soll. Stattdessen muss ich auf seine Eigenschaften reagieren und daraus etwas Neues entstehen lassen.
Mondkrüge haben eine jahrhundertealte Tradition. Spüren Sie bei der Arbeit an diesen Stücken eine Verbindung zu den Kunsthandwerkern vergangener Generationen?
Durch die Arbeit mit Keramik fühle ich mich unseren Vorfahren sehr verbunden.
Mondkrüge sind für mich ein faszinierendes Thema. Hinter ihnen steht eine lange Geschichte, und zugleich finden sie heute wieder neue Beachtung. Gerade das macht die Beschäftigung mit ihnen so spannend. Mich reizt es, dieses Thema weiterzuverfolgen und dabei meine eigene Interpretation zu finden.
Die Entstehung eines Ceralume®-Mondkrugs.
Können Sie die verschiedenen Arbeitsschritte bei der Herstellung dieser Mondkrüge beschreiben?
Wenn die Gipsform fertig ist, beginne ich damit, das Stück aus Ton zu fertigen. Anschließend färbe ich den Ton mithilfe der [japanischen] Technik „Nerikomi“. Dafür verwende ich weißes Porzellan, dem ich Keramikpigmente beimische. Wenn ich die gewünschten Farben ausgewählt habe, kombiniere ich sie im nächsten Schritt: Ich nehme kleine Stücke des unterschiedlich gefärbten Tons, ordne sie dicht nebeneinander auf einem Textil an und rolle sie anschließend aus […].
Wenn die Platte aus dem farbigen Ton fertig ist, teile ich sie, lege die beiden Hälften übereinander und rolle sie erneut aus. Diesen Vorgang wiederhole ich so lange, bis die verschiedenen Tonschichten ein Muster bilden, das an Stein, Marmor oder die Oberfläche des Mondes erinnert und fast wie eine Planetenlandschaft wirkt.
Wie verändert Ceralume® die traditionelle Keramikherstellung und die endgültige Ästhetik des Mondkrugs?
Der Mondkrug wirkt bei Tag und bei Nacht ganz unterschiedlich. Tagsüber steht seine mondähnliche, marmorierte Oberfläche im Vordergrund. Nachts tritt ein Muster hervor. […] Die photolumineszierende Glasur aufzutragen, ist sehr zeitaufwendig, und auch das Material selbst ist äußerst kostbar. […]
Ich liebe die Herausforderung, mit neuen keramischen Materialien zu arbeiten, und mit Ceralume® hatte ich zuvor noch nie zu tun. Umso mehr habe ich mich über die Gelegenheit gefreut, mit diesem außergewöhnlichen Werkstoff zu experimentieren.
Nachtrag
Die diesjährige Homo Faber Biennale in Venedig steht unter dem Motto „An Island of Light“. Als weltweit renommierte Plattform für herausragendes Kunsthandwerk widmet sie sich dem Zusammenspiel von Licht, Material und menschlicher Kunstfertigkeit. Laurin Schaubs Mondkrüge sind von den kugelförmigen koreanischen Porzellangefäßen des 18. Jahrhunderts inspiriert und zählen zu den Höhepunkten der IWC-Installation „A Full Moon Rising“. Sie ist eine von 15 immersiven Installationen, die mehr als 800 Objekte von Künstlern aus über 70 Ländern vereinen. Im Zentrum der Präsentation steht eine beleuchtete halbkreisförmige Struktur. Ihre Spiegelung im ruhigen Wasser des 1961 erbauten Hallenbads „Piscina Gandini“ vervollständigt das Bild eines Vollmonds, in dessen Mitte die Mondkrüge arrangiert sind. In unzähligen Versuchsreihen entwickelte Schaub eigens für diese Werke eine Leuchtglasur, die die Inschrift „Lux Perpetua“ – lateinisch für „Ewiges Licht“ – sichtbar werden lässt. Sie verweist unmittelbar auf die Tradition der Ewigen Kalender von IWC Schaffhausen und auf die hauseigene Ceralume®-Technologie. Zwei der Mondkrüge werden in der Piscina Gandini präsentiert, ein drittes Exemplar in der IWC-Boutique in Venedig.
FAQ
Was ist Ceralume®?
Ceralume® wurde von der IWC Engineering-Division XPL entwickelt und feierte 2024 in einer vollständig leuchtenden Pilot’s Watch Chronograph 41 als Konzeptuhr Premiere. Die bläulich leuchtende Keramik speichert Licht und gibt es über einen Zeitraum von mehr als 24 Stunden wieder ab. Dieser Vorgang lässt sich beliebig oft wiederholen, ohne dass die Speicherkapazität des Materials nachlässt.
Welche IWC-Uhren werden aus Ceralume® gefertigt?
IWC Schaffhausen präsentierte Ceralume® erstmals 2024 bei einer vollständig leuchtenden Pilot’s Watch Chronograph 41 als Konzeptuhr. Sie verfügte über ein Leuchtzifferblatt und ein mit Super-LumiNova® angereichertes Kautschukarmband. 2026 ging Ceralume® mit der Big Pilot’s Watch Perpetual Calendar Ceralume® (Ref. IW505801) erstmals in Serie. Das Modell verfügt über ein 46,5 Millimeter großes Gehäuse aus leuchtend weißer Keramik und wird vom IWC-Manufakturkaliber 52616 angetrieben. Bei Tageslicht prägen verschiedene Weiß- und Grautöne sowie das Wechselspiel aus glänzenden und matten Oberflächen das Erscheinungsbild. Bei Dunkelheit leuchten Gehäuse, Zifferblatt und Armband in einem intensiven Blauton.
Wie wird Ceralume® hergestellt?
Ceralume® entsteht aus Keramikpulvern auf Basis von Zirkonoxid und anderen Metalloxiden, die mit hochwertigen Super-LumiNova®-Pigmenten des Schweizer Technologieunternehmens RC Tritec vermischt werden. Um die Bestandteile gleichmäßig zu verteilen, entwickelte die IWC Engineering-Division XPL ein spezielles Kugelmahlverfahren. Auch die Sinter- und Schleifprozesse wurden gezielt auf die besonderen Eigenschaften der Leuchtkeramik abgestimmt.
Welche Rolle spielen Keramikuhren im Portfolio von IWC Schaffhausen?
Als einer der Pioniere setzte IWC Schaffhausen bereits 1986 kratzfeste Keramik in der Uhrmacherei ein. Seither hat die Manufaktur ihre Kompetenz im Bereich innovativer Materialien über vier Jahrzehnte kontinuierlich ausgebaut und die Keramiktechnologie stetig weiterentwickelt. Zu den wichtigsten Innovationen zählen Uhrengehäuse aus Verbundwerkstoffen sowie die hauseigenen Materialien Ceralume® und Ceratanium®. Ceratanium® verbindet die Leichtigkeit und Festigkeit von Titan mit einer Härte und Kratzfestigkeit, wie man sie von Keramik kennt.